Tageseminar mit Dimitris Stavropoulus (Gr) am 08. Januar 2012 in Berlin
Der grundlegende Archetyp berührt die mystische Beziehung zwischen Opfer und Täter. Ein Orakelspruch des altgriechischen Heiligtums Delphi lautet:
“Der Verletzende wird dich heilen“.
Täter und Opfer versöhnen sich dann, wenn die gegenseitige heilende Verwandlung geschieht.
Sich wiederholender Traum einer Frau als sie 7 Jahre alt war:
“Ich bin eine Reiterin, Hüterin, Wächterin, Heldin. Ein Dorf ist in Gefahr. Ich verteidige es und rette die Menschen. Dabei werde ich durch einen Pfeil schwer verletzt, falle vom Pferd und bin am Sterben. Ein Mann kommt – aus den Reihen der Gegner. Er ist beeindruckt von meinem Mut und meiner Schönheit. Er zieht den Pfeil aus der Wunde, bleibt da und heilt, erkennt und liebt mich. Dann sind wir zusammen auf einem Pferd. Ich sehe das alles vor mir in einer großen natürlichen Landschaft“.
In diesem Traum sind mehrere Archetypen enthalten, da ein Kind offenbar freier und unverstellter seine schöpferische Kraft entfalten kann. Der Inhalt macht die mystischen Verbindung vom Opfer zum Täter, und ihre gegenseitige heilende Verwandlung sichtbar. Das Mädchen verteidigt ein Dorf und wird zur Kriegerin. Durch ihre Verletzung wird sie zu einem Opfer. Dann kommt der Täter und heilt sie. Er wird zum Therapeuten gewandelt, der somit seine eigene Wunde als Täter heilen kann.
Die beiden versöhnen sich in Liebe.
Sowohl Täter und Therapeut, als auch Opfer und Therapeut erscheinen hier als zwei Seiten einer Identität. Archetypisch dargestellt u. a. durch den doppelköpfigen römischen Gott Janus, der die gegensätzlichen Kräfte Yin-Jang, Licht-Schatten, weiblich-männlich … in sich verbindet.
Das Pferd im Traum des Mädchens ist ein Hinweis auf den altgriechischen Mythos von Chiron. Er gilt als Lehrer aller Heiler, verkörpert jedoch auch die Situation des „verwundeten Heilers“, der seine eigene Wunde nicht heilen kann. Als Zentauer ist er halb Mensch halb Pferd. Sein Vater Kronos verwandelt sich in ein Pferd um seine Mutter zu begatten. Die Pferdenatur repräsentiert hier sowohl das Göttliche als auch die tiefere Instinkte und Impulse. So ist das Pferd im Traum einerseits ein Instrument der Krieger-Täter. Dann jedoch trägt es die Liebenden, geheilt und vereint, fort.
Diese Doppelnatur in unserer Seele will beachtet und versöhnt werden. Sonst bleiben insbesondere die Therapeuten und Helfer ’verwundete Heiler’.
Die Aufstellung dieses Traumes wird uns in die heilende Kraft der Archetypen, die in uns schlummern, einführen. Mittels der Gruppenresonanz-Methode, werden wir als Stellvertreter die Archetypen direkt erfahren und ihre Botschaften durch eigenes Erleben entschlüsseln.
Die Gruppen-Resonanz-Methode bezieht immer alle Teilnehmer einer Gruppe in die Aufstellung ein. In welcher Stellvertretung ist zu Anfang nicht festgelegt. Die Erfahrung zeigt, dass es jeden Teilnehmer genau dann in die Aufstellung “zieht”, wenn es für seine eigene Heilgeschichte notwendig ist. Am Ende ergibt sich ein Sinn, der weder vom Einzelnen erdacht noch vollzogen werden kann, sondern durch überindividuelle Archetypen und Seelenkräfte geführt ist und Heilendes inspiriert.
Danach ist Zeit für weitere Anliegen der Teilnehmer. Ziel der Arbeit ist es, die Macht bzw. Ohnmacht der eigenen Verletzung aufzudecken, die sowohl trennt wie auch verbindet. Diese Heilung ist wichtig für uns alle, ob als Ratsuchende oder Therapeuten.
Dimitris Stavropoulis, Therapeut, Philosoph, Mythenforscher, ist der Begründer der Arbeit mit Archetypen und der Gruppenresonanz-Methode. Seine überaus herzliche und weise Führung ermöglicht Erfahrungen, die für Bewusstsein und Seele wegweisend sein können.
Ort
Rigpa-Zentrum Berlin, Soorstr. 85, S-BHf Westend
Zeit
10.00 – 18.00 Uhr
Kosten
50 Euro
